Häufige Argumente von Bitcoin Kritikern

Häufige Argumente von Bitcoin Kritikern

Artikel Teilen


Bitcoin beruht auf der revolutionären Blockchain Technologie. Es ist wichtig zu verstehen, wie die Blockchain – eine öffentliche und dezentrale Datenbank, die alle Transaktionen speichert – funktioniert. Wenn ich Ihnen eine Glühbirne zeige, es aber noch garnicht möglich ist einen kontinuierlichen Elektronenfluss (einen Strom) zu erzeugen, dann werden Sie mich auslachen, denn die Glühbirne kann dann nicht funktionieren. Das gleiche gilt für Bitcoin, denn bis zur Erfindung der Blockchain Technologie konnte das sogenannte “Double-Spending” Problem und das “Byzantine Generals” Problem nicht gelöst werden. In diesem November Newsletter möchte ich auf einige der Argumente von Bitcoin Kritikern eingehen, die ich immer wieder zu hören bekommen habe:


– Satoshi Nakamoto, der/die Erfinder/in von Bitcoin hat etwa 60% der Bitcoins

– Bitcoin hat keinen Gegenwert/ wird von nichts gedeckt

– Bitcoin ist sehr volatil, daher eignet sich Bitcoin nicht als Währung

– Bitcoin wurde schon gehackt und ist nicht sicher

– Bitcoin ist nicht reguliert

– Ich kann nirgendwo mit Bitcoins zahlen, deswegen ist Bitcoin kein Zahlungsmittel



1. „Satoshi besitzt 60% aller Bitcoins“


In diesem Moment existieren weltweit ganz genau 16.657.000 Bitcoins (https://blockchain.info/charts/total-bitcoins) – es werden bis zum Jahr 2140 also noch 4.343.000 Bitcoins produziert. Das heißt, dass ca. 79% aller Bitcoins bereits im Umlauf sind. Bitcoin Entwickler Sergio Lerner hat 2013 eine Analyse veröffentlicht (https://bitslog.wordpress.com/2013/04/17/the-well-deserved-fortune-of-satoshi-nakamoto/ bzw. http://www.businessinsider.de/satoshi-nakamoto-owns-one-million-bitcoin-700-price-2016-6), die verdeutlicht, dass Satoshi etwa 1 Mio. Bitcoins besitzt, also momentan ca. 6% des Gesamtvermögens. Bei 21 Mio. Bitcoins insgesamt liegt der Anteil bei ca. 4.8%. Ganz ungeachtet dessen, ist völlig unklar ob Satoshi überhaupt noch lebt, bzw. noch Zugang hat zu den Bitcoins. Unter Experten wird gemutmaßt, dass Hal Finney, der erste Empfänger einer Bitcoin Transaktion, am wahrscheinlichsten Satoshi Nakamoto ist – er ist 2014 an ALS verstorben und wurde mithilfe der Kyronik konserviert – in der Hoffnung in Zukunft wiederbelebt werden zu können. Stellen Sie sich einmal vor, es kreiert jemand aus dem absoluten Nichts ein digitales Zahlungsmittel mit dem Wert 0.00€. Dieser jemand erwirbt zu Beginn einen nicht unerheblichen Anteil der experimentellen Währung selbst, verstirbt dann, lässt sich auf Wunsch konservieren und hofft dann darauf, dass der Wert der selbst erschaffenen Währung enorm ansteigt um viele Jahre später wiederbelebt zu werden, weil er eventuell noch irgendwo den Zugang (privaten Schlüssel) zu den Bitcoins hat. Eine Person, die an Genialität wohl kaum zu überbieten ist. Ich wette, dass in den nächsten Jahren zu genau dieser Geschichte ein Hollywood Film produziert wird. Zusammenfassend lässt sich also definitiv sagen, dass Satoshi Nakamoto bei Weitem nicht 60% aller Bitcoins besitzt.




2. Bitcoin hat keinen Gegenwert/ wird von Nichts gedeckt


Neue Bitcoins können ausschließlich durch das sogenannte Mining entstehen. Dabei verhält es sich ähnlich wie bei dem schürfen von Gold; es muss Arbeit investiert werden um neues Gold zu gewinnen. Es kostet momentan etwa zwischen 500 und 1500€ um einen neuen Bitcoin zu erschaffen. Dabei sind die Kosten für die Mining Hardware noch nicht inbegriffen. https://grisha.org/blog/2017/09/28/electricity-cost-of-1-bitcoin/ Wie viel kostet es eigentlich einen neuen Euro oder Dollar herzustellen? Des Weiteren hat Bitcoin zahlreiche Eigenschaften, die alle anderen FIAT Währungen nicht besitzen; direkte Überweisungen, limitierte Menge, dezentrale und vorhersehbare Produktionsrate, programmierbares Geld u.v.m. Es wird außerdem viel zu selten hinterfragt, von was der Euro bzw. der Dollar eigentlich gedeckt werden. Der Goldstandard existiert bereits seit 1971 nicht mehr und auch dann war das meiste Geld schon lange nicht mehr von Gold gedeckt.




3. Bitcoin ist sehr volatil, daher eignet sich Bitcoin nicht als Währung


Bitcoin und andere Kryptowährungen sind sehr volatil, mit Kursschwankungen von 10-20% muss jeden Tag gerechnet werden. Wer in Bitcoin und andere Kryptowährungen investiert, muss sich anschnallen. Das liegt ganz einfach daran, dass der Markt relativ klein ist. Wenige Akteure mit viel Geld können den Kurs stark beeinflussen. Je größer der Markt, desto geringer die Volatilität. Wenn es also in Zukunft mehr Bitcoin Nutzer und Geschäfte gibt, die Bitcoin akzeptieren, wird die digitale Währung stabiler. Die Volatilität von Bitcoin war in der Vergangenheit noch viel höher als heute, das wird besonders deutlich wenn man sich die vergangenen “Blasen” von Bitcoin im Vergleich anschaut:

2011//
von 1 -> 30 -> 2 +3000% / -93,4%

2012/13//
von 10 -> 230 -> 66 +2300% / -70%

2013//
von 120 -> 1150 -> 350 +1000% / -70%

2017//
von 1000 -> 5700?-> ?

https://99bitcoins.com/price-chart-history/




4. Bitcoin wurde schon gehackt und ist nicht sicher


Bitcoin und die Blockchain-Technologie wurden noch nie gehackt. Im Gegenteil; beide Technologien werden seit Jahren von Hackern aus der ganzen Welt erfolglos angegriffen und je größer das Netzwerk wird, desto stärker wird es auch. Gehackt wurden hingegen Tauschbörsen auf denen viele Nutzer Ihre Bitcoins aufbewahrt haben und bis heute noch tun. Tauschbörsen sind nichts Anderes als Internetseiten, die natürlich ein attraktives Angriffsziel bieten, wenn dort Millionensummen aufbewahrt werden. Früher mussten Hacker die Information, die sie geklaut haben, erst verkaufen um Gewinn zu machen. Dafür muss ein Käufer gefunden werden und es ist viel wahrscheinlicher erwischt zu werden. Bei Bitcoin ist die Information bereits das Geld, denn wer den privaten Schlüssel (eine lange Folge aus Zahlen und Buchstaben) zu einem „Bitcoin-Konto“ hat, kann das Konto leeren. Der gehackte Nutzer kann außerdem nicht bei einer Bank anrufen um das Geld zurückzuerhalten, weil Bitcoin-Transaktionen nicht umkehrbar sind. Das Problem liegt meist bei der mangelhaft sicheren Aufbewahrung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen seitens der Nutzer. Mobile Wallets, Desktop Wallets und Tauschbörsen stellen keine sicheren und langfristigen Aufbewahrungsmöglichkeiten für Bitcoin und andere Kryptowährungen dar. Viele Nutzer werden das auch in Zukunft noch auf schmerzhafte Art und Weise erfahren müssen. Wer mehr als wenige hundert Euro in Bitcoins besitzt, sollte sich möglichst bald ein Hardware Wallet zulegen und lernen wie die sichere Aufbewahrung funktioniert.




5. Bitcoin ist nicht reguliert


Alle Bitcoin-Netzwerkteilnehmer halten sich automatisch an das Open-Source Bitcoin-Protokoll, da nur durch die Einhaltung des Regelwerkes eine Teilnahme im Bitcoin-Netzwerk möglich ist. Das Bitcoin-Protokoll ist also ein öffentliches Regelwerk an das sich alle Netzwerkteilnehmer halten müssen. Das Protokoll kann nur geändert werden, wenn mindestens 95% der Community einer Änderung über einen Zeitraum von ca. 2 Wochen zustimmen. Das Bitcoin-Protokoll beinhaltet z.B. folgende Regeln:

– Es wird nie mehr als 21 Millionen Bitcoins geben

– Es werden insgesamt weltweit pro Block (ca. alle 10 Minuten) 12,5 Bitcoins hergestellt

– Diese Produktionsrate wird alle 4 Jahre halbiert, d.h. die Inflationsrate sinkt mit der Zeit auf 0%.

– Alle Transaktionen müssen auf der Blockchain aufgenommen werden und werden neutral gemäß dem Regelwerk von vielen tausenden unabhängigen und zufällig ausgewählten Knotenpunkten verifiziert

– Verstößt ein Knotenpunkt gegen das Regelwerk (z.B., weil es eine echte Transaktion nicht verifiziert), wird der Knotenpunkt von dem Netzwerk ausgeschlossen

+ … viele weitere Regeln Da gegen dieses Protokoll nicht verstoßen werden kann und das gesamte Netzwerk, sowie die Blockchain vollständig transparent zur Verfügung stehen, ist Bitcoin besser reguliert als jede andere Währung je zuvor. Der Unterschied: Die Regulierung findet durch die weltweite, dezentrale Gemeinschaft statt und nicht durch eine zentrale Instanz. Zum Beispiel wurde Anfang August darüber abgestimmt, dass der Lösungsvorschlag „SegWit“ implementiert werden soll. Dadurch sollen mehr Transaktionen pro Sekunde möglich sein und die Gebühr deutlich sinken. Für eine solche Abstimmung sind 95% Zustimmungsrate über einen Zeitraum von 2016 Blocks notwendig (1 Block ≈ 10 Minuten ≈ 14 Tage). Dieser spezifische Lösungsvorschlag wurde schon vor einem Jahr vorgestellt und seitdem erfolgreich getestet (z.B. schon seit Monaten bei Litecoin und co. integriert). Anfang September ’17 wurde ein Forschungsbericht der finnischen Zentralbank veröffentlicht, mit dem Fazit, dass Bitcoin nicht reguliert ist und nicht reguliert werden kann. Es gebe aber auch keinen Bedarf Bitcoin zu regulieren, weil es durch das Protokoll selbst reguliert wird. Bitcoin wird außerdem als revolutionäre und fabelhafte Technologie bezeichnet.

Quelle: helda.helsinki.fi/bof/bitstream/handle/123456789/14912/BoF_DP_1727.pdf – Seite 36 – Abschnitt 3-4




6. Ich kann nirgendwo mit Bitcoins zahlen, deswegen ist Bitcoin kein Zahlungsmittel


Quelle: coinmap.org


Es gibt mittlerweile hunderttausende Geschäfte weltweit die Bitcoin akzeptieren. In Japan z.B. wird Bitcoin seit dem 1. April diesen Jahres als legales Zahlungsmittel akzeptiert. Neue Prepaid Karten kommen auf den Markt, mit denen Nutzer überall wo Visa bzw. MasterCard akzeptiert werden, mit Ihren Kryptowährungen zahlen können: TenX, Monaco, Plutus u.v.m.



Dieser Blogeintrag war ursprünglich der Bitcoin-Beginner Newsletter für November 2017. Der Newsletter wurde am 1. November verschickt und auf dieser Seite am 30. November eingebettet.